Als ich in der Primarschule war, wurde mir erzählt, dass die Lehrerin der Parallelklasse die Schule verliesse, um auf eine Weltreise zu gehen. Es muss das erste Mal gewesen sein, dass ich mit diesem Wort konfrontiert wurde. Als kleines Mädchen konnte ich nicht verstehen, wieso jemand von hier, wo ich mich so wohl und behütet fühlte, weggehen wollte. Zudem wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie gross die Welt ist, als ich mir vorstellte, wo diese Lehrerin überall hingehen würde. So verspürte ich das Gefühl der Weite und des Unbekannten in mir, was mich damals sehr beängstigte.
Heute beängstigt es mich immer noch. Aber gleichzeitig löst es in mir auch eine Sehnsucht aus, einen Drang dieser Weite, diesem Unbekannten, dieser Freiheit zu begegnen. Der Ruf der Fremde lässt mich nicht mehr los und obwohl ich mich immer noch wohl fühle in der Schweiz, weiss ich jetzt – gut fünfzehn Jahre später – dass man das Zuhause, die Freunde und die Familie verlassen muss, um andere Gegenden der Welt zu entdecken.
Ein Teil der Reise ist schon vorbei, obwohl wir noch gar nicht gestartet haben. Wenn ich auf die letzten eineinhalb Jahre zurückblicke, war schon die Vorbereitungsphase ein langer Weg, den wir bewältigt haben. Vom Funken der Idee über die definitive Entscheidung bis hin zum Abreisetag haben die Perspektiven so viele Male geändert, das Bad der Gefühle von sehr heiss zu eiskalt variiert — aber die Motivation und Überzeugung blieben konstant.
Die Idee «Weltreise» hört sich romantisch an und lässt viele Mitmenschen bei der Erwähnung des Wortes neidisch erblassen oder verträumt in die Ferne blicken. Auch ich reagierte so, bevor ich die Entscheidung traf, selbst so eine Reise anzutreten und mir somit einen Traum zu erfüllen.
Mit Begeisterung, Vorfreude und Ausdauer verfolgte ich diesen Wunsch. Allerdings steckt (wie so häufig) viel mehr dahinter, als man sich vorstellen kann: In den letzten Monaten hat sich der Traum «Weltreise» vielmehr in ein Synonym für viel Arbeit und Stress verwandelt. Hinter diesem Wort verbergen sich unzählige Nachtwachen um das Budget zu erreichen; Tag und Nacht Umkehrungen bis zum beinahe wahnsinnig werden; Büffelei für die Uni um den Bachelor noch unter Dach und Fach zu bringen; bürokratische Abklärungen wie Versicherungsschutz, internationale Papiere oder die Organisation der Visa; Arztbesuche und Impfungen. Nur in seltenen Fällen (Lichtblicke sondergleichen!) hatten die Vorbereitungen konkret etwas mit der Reise zu tun: Die Routenplanung und der Kauf von Ausrüstungsgegenständen steigerten die Vorfreude und liessen allfällige Zweifel abklingen. Denn nicht selten habe ich den Mut verloren und mir die Frage gestellt:
„Warum mache ich das eigentlich?“ Josés konstante Antwort dazu war: „C’est pour la bonne cause. C’est pour le tour du monde.“
Es machte es unendlich viel einfacher und schöner, gemeinsam auf dieses grosse Abenteuer hinzuarbeiten.
Ich bin überzeugt, dass sich der ganze Aufwand lohnt – und Leute die vielleicht (was ich sehr schön fände) durch das Lesen dieses Blogs dazu inspiriert werden auch eine solche Reise zu unternehmen, sollten sich davon nicht abschrecken lassen.
Ermahgerd !! De l’Allemand 🙂